Alben, Songs, Konzerte. Das Jahr 2022 in Listen
Ein musikalisches Jahr in Listen
Eigentlich mag ich es, wenn man am Ende des Jahres kurz innehält, und auf verschiedene Aspekte des Jahres zurückblickt. Ich mache es viel zu selten. In meine Frustration über die weltpolitische Lage oder zum Teil auch jener der Nation werde ich hier jedoch nicht eintauchen. Ich werde ganz banal einen Blick zurück auf mein musikalisches Jahr nehmen und meine wiederentdeckte Lust an Listen ausleben.
Prägend und besonders erfreulich war die Rückkehr der regulären Konzerte, zunächst draußen, dann aber auch wieder in den Venues. Mein geliebtes System zum Sortieren und Ordnen von Tonträgern (Anhören, in Discogs und Musicbrains eingeben, digitale Kopie auf dem Server speichern, alphabetisch ins Regal sortieren) ist dieses Jahr zusammengebrochen. Jetzt stauen sich zum Teil ungehörte LPs, Tapes und sogar CDs vor den Regalen. Von letzteren wollte ich eigentlich keine mehr anschaffen, aber manchmal kommt es eben doch anders...
Und ja, nicht wenige unten gelistete Einträge stammen nicht aus diesem Jahr. Wichtiger war mir in der Liste, ob sie dieses Jahr für mich bedeutsam wurden oder ich sie eben erst dieses Jahr entdeckt habe.
15 Konzerte, die mir im Gedächtnis bleiben werden
- Urlaub in Polen – Nachtleben, Frankfurt
- Toby Goodshank, Leslie Graves, Ben James Wood & Boo Hoo – Waggon, Offenbach
- Der temporäre elektronische Salon mit dem Carrera Trio – Ono 2, Frankfurt
- Jazz Montez' Holidays – Kunstverein Familie Montez, Frankfurt
- The Local Listener: Gregor Praml trifft Oli Rubow
- Golden Leaves Festival – Messeplatz, Darmstadt
- The Notwist – Zoom Frankfurt
- VirusMusik Radioshow – Landungsbrücken, Frankfurt
- Dekker – Schlachthof, Wiesbaden
- Ole Peng – Fußgängerzone, Hanau
- Matthias Vogt, Kabuki, Nashi Yound Cho & Andrei Likhanov Jazz Duo – Kulturlabor, Frankfurt
- C.A.R. – Ono2, Frankfurt
- Neoangin – Ono2
- Franz Ferdinand – Schlachthof, Wiesbaden
- 13 Year Cicada & Reeves, Ono2 Franfurt
Zum Glück gab es wieder viele, tolle Konzerte in diesem Jahr. Ich denke, das Konzert von Urlaub in Polen, war das, was mich am stärksten beeindruckt hat. Eine wirklich intensive Erfahrung, und tatsächlich eines dieser Konzerte, die dreimal verlegt wurden. Das Franz Ferdinand Konzert war das erste „große Ding“ in das ich wieder indoor – mit einem etwas mulmigem Gefühl – gegangen war. Ich hatte nach all den Jahren keine großen Erwartungen an Franz Ferdinand, aber die waren echt klasse, haben stark abgeliefert. Endlich habe ich es mal auf das Golden Leaves in Darmstadt geschafft. Das Toby Goodschank & Friends Konzert hatte ich gemeinsam mit Boohoo selbst veranstaltet. Bin froh, dass es so gut gelaufen ist. Das Holiday Event von Jazz Montez war beeindruckend. Wir sind meist spontan hin und haben immer richtig tolle Bands entdeckt, die wir bis dato nicht kannten. Im Ono2 war ich zuletzt öfter.
10 Alben, die mir besonders wichtig waren
- Matthias Vogt – Pianissimo (2022)
- Reporter ohne Grenzen – The Uncensored Playlist (2018)
- Aua – The Damaged Organ (2022)
- Tocotronic – Sie wollen uns erzählen Songcomic (2020)
- Beautify Junkyards – Cosmorama (2021)
- Aline Frazão – Uma Musica Angolana (2022)
- Neoangin – Uncleared Sample of Reality
- Bohren & der Club of Gore – Patchouli Blue 2020
- The Notwist – Vertigo Days (2022)
- Baleia Baleia Baleia – Suicídio Comercial (2022)
Ich werde nicht jeden Eintrag auf der Liste kommentieren, obwohl es sicherlich für jeden einen guten Grund gibt, warum ich ihn aufführe. Matthias Vogts aktuelles Solo-Album hat mich auf vielen Ebenen berührt. Inhaltlich und formal. Ein einfühlsames Album, dass the Klimakrise thematisiert und Interview-Snippets beinhaltet. Die Sendung mit Matthias war schon ein wenig meine Lieblingssendung dieses Jahr. Das The Uncensored Playlist Album von Reporter ohne Grenzen kannte ich bis vor wenigen Tagen noch gar nicht. Es lag unter dem Weihnachtsbaum und wurde direkt zu einer meiner Lieblingsplatten. Ein tolles Konzept. Von Aua, die ich erst letztes Jahr kennengelernt habe, bin ich einfach total begeistert. Außerdem bin ich froh, dass ich Aline Frazão über ihren Soundtrack zu einem Film beim Africa Alive Filmfestival kennengelernt habe. Sie Wollen Uns Erzählen von Tocotronic ist eigentlich kein Tonträger. Ich hatte das Buch mit den Comic-Illustrationen der Hamburger Band hier eine Weile liegen und habe mich im Herbst wirklich intensiv am Strand durch die darin thematisierten Songs „gearbeitet“. War eine intensive Erfahrung. Cooles Format, nett auch, dass die Zeichnungen von einigen Bekannten stammten.
7 Songs in ordentlicher Heavy Rotation
- Yard Act – Rich (2022)
- Martin & la talpoj - Supperbazzaro (2012)
- Gwen Dolyn & Toyboys – Dr. Murkes
- Kabuki feat. Mike Romeo – The Calling (2018)
- Neoangin – Tired Men Don't Fight (2022)
- Beautify Junkyards – Reverie (2021)
- Azar Azar – Space Coconut Conspiracy (2020)
Yard Act war vielleicht eine der wenigen größeren, internationalen Neu-Entdeckungen gleich Anfang des Jahres für mich. Allein dafür hat sich die ByteFM-Freundschaft, die ich viel zu wenig Pflege, gelohnt. Auch auf Beautify Junkyards bin ich auf diesem Weg gestoßen. Die andere andere portugiesische Neuentdeckung aus der Liste Azar Azar war ich über Fnacs Novos Talentos Sampler gestoßen. Tired Men Don't Fight ist mein Liebligsstück von Jim Avignon aka Neoangin's tollem aktuellen Album. Mit Kabukis Beat Excursion Serie, hatte ich mich erst im Zuge der Sendung mit Jan deises Jahr näher beschäftigt. The Calling mit Mike Romeo ist einfach ein perfekter Club-Track. Superbazzaro von Martin Wiese aka Martin & la talpoj ist zwar bereits zehn Jahre alt, mir aber dieses Jahr zum ersten Mal zu Ohren gekommen. Es ist der erste Song auf Esperanto, dessen Text – der recht einfach ist – ich mir gut erschließen konnte. Ich habe ihn wirklich oft gehört und mitgesungen. Das Dr. Murkes [EA80]-Cover lief auch wirklich oft, und war sogar Anlaß dafür, dass ich im Sommer Bölls Kurzgeschichte „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen (und einige andere von ihm) las.
5 EPs, die mich beeindruckt haben
- Kabuki - Beat Excursions 1 (2018)
- Azar Azar – Azar EP (2020)
- Gwendolyn & Toyboys – Komm Schon! (2022)
- Max Clouth, Kabuki, Sophie-Justine Herr – Lucifer Drowning In A Sea Of Light (2021)
- Reeves - Astrologika (2022)
Ich kaufe tatsächlich recht wenige EPs. Es ist eigentlich nicht mein bevorzugtes Format. Gleichzeitig natürlich auch oft der Tonträger der Wahl bei jungen Bands, die noch kein Album draußen haben. Natürlich gibt es hier einiges an Überschneidungen zu der letzten Liste mit oft gehörten Songs. Man könnte sich darüber streiten, ob die Max Clouth Co-Produktion nicht auch schon als LP durchgeht (okay, fair enough), aber ich ordne sie jetzt einfach mal hier ein.
8 Musik-Orte, an denen ich mich dieses Jahr sehr, sehr wohlgefühlt habe
- Ono2, Frankfurt
- Mousonturm Café, Frankfurt
- Waggon, Offenbach
- Porto Calling Recordstore, Porto, Portugal
- Sommerwerft, Frankfurt
- Kunstverein Familie Montez, Frankfurt
- Institut für neue Medien, Frankfurt
- Lotte Lindenberg, Frankfurt
Das ist sicherlich eine der ungerechtesten (oder auch nur subjektivsten) Listen, da es so viele schöne Orte gibt, an denen Musik läuft. An manchen davon (Hafen 2, Saasfee Pavillion, Tanzhaus Sommergarten, Massif Central, Yachtklub) war ich dieses Jahr – aus keinem besonderen Grund – einfach seltener oder gar nicht. Das Ono2, das ich schon als WK16 sehr gern mochte, hat sich dieses Jahr durch sein Konzert-Booking zu einem meiner Lieblingsorte gemausert – sowie es das Mousonturm-Café schon seit Jahren ist. Im Waggon habe ich tolle Abende gehabt und war doch wieder viel zu selten dort. Im Porto Calling Plattenladen, im Stadtteil Cedofeita & Santo Ildefonso, war ich dieses Jahr zum ersten Mal. Er führt ein großartiges Sortiment und hat mir die Tür zu einer spannenden portugiesischen Independent-Szene aufgestoßen. Schön auch, dass ich es – nach etlichen Jahren – mal wieder in ein Konzert im INM geschafft habe.
Thoughts?
Und bei Euch so? Erzählt mir, was Euch musikalisch bewegt oder berührt hat oder werft mit Steinen nach mir auf Threads zu diesem Post auf Mastodon, Twitter oder Facebook! Es gibt übrigens auch einen Eintrag über das Musikjahr 2022 in der deutschen Wikipedia, dieser hat jedoch mit meinem Jahr nur recht wenige Überschnidungen.
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